„Club der Schlitzohren“ fördert Enyiduru-Schülerinnen und Schüler

Vier weitere Abgänger der Enyiduru-Schule können sich freuen. Ihr Weg zum Abitur ist nun finanziell abgesichert.

In Nigeria ist der Besuch von weiterführenden Schulen, die zum Abitur führen, in der Regel mit hohen Kosten für die Eltern verbunden, so dass sich Kinder aus armen Familien eine solche Ausbildung häufig nicht leisten können. Um auch diesen jungen Menschen eine Perspektive zu bieten, fördert der Enyiduru-Verein daher von seinen Spendeneinnahmen auch immer besonders begabte Schülerinnen und Schüler mit einem Stipendium. Wir freuen uns, dass die Zahl dieser Stipendiaten nun um weitere vier Schülerinnen und Schüler gewachsen ist. Der „Internationale Club der Schlitzohren„, der sich für Projekte einsetzt, die Kindern Bildung oder medizinische Versorgung garantieren und ihnen kulturelle und soziale Entfaltung ermöglichen, hat dies über eine Spende an das Enyiduru-Projekt ermöglicht. Vielen Dank!


Mehr zu den Stipendiaten:

Die Jungen und Mädchen sind zwischen 14 und 16 Jahre alt und haben auf der Enyiduru-Schule kontinuierlich sehr gute Leistungen erbracht. Ihre Familien sind jedoch nicht in der Lage, sie auf die Secundary School in Nsukka zu schicken. Die Schulsozialarbeiterin Theresa Ezugwu, die die Enyiduru-Stipendiat(inn)en betreut, hat die Familien dieser Jugendlichen besucht und mit den Eltern Gespräche geführt, um die Auswahlkriterien Begabung und Bedürftigkeit zu prüfen. Bei allen vier Stipendiat(inn)en reichte das erwirtschaftete Geld der Eltern nicht einmal für eine ausreichende Ernährung, geschweige denn für Schulgeld, Lernmittel und den weiteren Unterhalt ihrer begabten Kinder. Hintergrund ist die allgemeine wirtschaftliche Lage. In der sichern Gelegenheitsjobs und der Verkauf gesammelter oder selbst hergestellter Waren nur gerade das Überleben, für gute Geschäftsideen fehlt es an – wenn auch noch so geringem – Startkapital. Zusätzlich musste bei drei von den vier Stipendiaten ein Elternteil alleine für das Auskommen sorgen. Ohne das Stipendium könnte keiner dieser Jugendlichen weiter die Schule besuchen.

Ein Mädchen ist das zweite von vier Kindern. Die Sozialarbeiterin berichtet: „Bei meinem Hausbesuch traf ich die ganze Familie an. Im Verlauf des Gespräches erzählte der Vater, dass er Zimmermann sei, aber er habe keine eigene Werkstatt oder Laden, wo er arbeiten könne, und so ist er täglich unterwegs auf der Suche nach einem Job oder Auftrag. Dies bedeute, dass die Familie an Tagen oder Wochen, an denen es ihm nicht gelingt Arbeit zu finden, nichts zu essen habe – es sei denn, seiner Frau gelinge es durch die Gnade Gottes (und) durch den Handel mit kleinen Dingen etwas Geld zu verdienen. Daher ist es ihr größtes Problem, genügend Geld zum Essen und für eine gute Ausbildung der Kinder zu haben.“

Ein Junge lebt mit seiner Mutter bei der Großmutter. Die Großmutter erzählt, dass ihr Mann vor vielen Jahren starb. Als sie dann selbst schwer krank wurde, konnte sie ihre Arbeit auf der Farm nicht weiter ausüben und auch keine weiten Strecken mehr zurücklegen. Sie erklärt, dass ihre Tochter von Geburt an taubstumm ist. Dadurch beeinträchtigt konnte sie nicht heiraten oder einer vernünftigen Arbeit nachgehen. So ist die einzige Einnahmequelle der Familie der Verkauf gesammelter Palmkerne und selbst gebundener Besen. Ihre größte Sorge ist es, genug zu essen zu haben, Medikamente bezahlen zu können und die Ausbildung des Enkels. Sie bat inständig darum ihr zu helfen eine Stelle für ihre Tochter zu finden, bei der diese mit Reinigen oder Putzen etwas Geld verdienen könne.

Ein Mädchen ist das älteste von fünf Kindern. Ihr Vater ist vor drei Jahren gestorben. Seitdem ist die Mutter mit den Kindern ganz auf sich gestellt. „Seit dem Tod meines Mannes hat keiner meiner Verwandten oder der Leute um mich herum auch nur gefragt, wie wir das alles hinkriegen“, sagt die Mutter. Sie arbeitet ein paar Stunden täglich als Köchin, dies ist ihre einzige Einkommensquelle. Sie würde gerne ein kleines Geschäft mit dem Verkauf von Brennholz starten, aber hierfür benötigt sie jemanden, der ihr etwas Geld für den Start leiht. So reicht ihr kleines Gehalt kaum zum Leben, geschweige denn um den Kindern Schule und Ausbildung zu bezahlen.

Ein Junge hat 8 Geschwister. Insgesamt leben in der Familie aber 14 Kinder und 4 Erwachsene, da der Vater auch die Großmutter, die Frau des Bruders und ihre Kinder aufgenommen hat. Obwohl er ein Einkommen hat, reicht das nicht für die ganze Familie – weder um alle satt zu machen noch um den Kindern eine Ausbildung zu geben. Die Frauen würden gerne ein Business starten, aber es fehlt ihnen das Startkapital.